17. Jahrestagung der DGKZ im Oktober in Marburg – Programm ab sofort online!

Nach der Corona-bedingten Verschiebung findet die 17. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kosmetische Zahnmedizin e.V. (DGKZ) jetzt am 29. und 30. Oktober 2021 statt.

Aufgrund der COVID-19-Pandemie war es im vergangenen Jahr nicht möglich, die Jahrestagung der DGKZ e.V. wie geplant durchzuführen. Auch die zwischenzeitlich auf den Herbst und dann auf das Frühjahr 2021 vorgenommene terminliche und örtliche Verschiebung blieb aufgrund hoher Infektionszahlen ohne Erfolg. Jetzt haben die Veranstalter angesichts von Impfungen in größerem Umfang sowie sinkender Inzidenz die Hoffnung auf eine schnelle Verbesserung und perspektivisch auch auf eine Normalisierung der Lage. Somit findet die 17. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kosmetische Zahnmedizin e.V. (DGKZ) am 29. und 30. Oktober 2021 am schon für 2020 geplanten Standort Marburg statt.

Unter dem Motto „Rot-weiße Ästhetik – State of the Art“ werden Referenten von Universitäten und erfahrene Praktiker mit den Teilnehmern die gegenwärtigen Trends in der modernen Zahnheilkunde und deren Herausforderungen im Praxisalltag diskutieren. Insbesondere wird Wert daraufgelegt, entlang des roten Fadens „Ästhetik“ eine möglichst große Bandbreite an relevanten Themen und Entwicklungen aufzugreifen. Ob Prothetik, Parodontologie, Zahnerhaltung, Implantologie oder Aspekte der Ästhetik des Gesichtes – das spannungsreiche Programm bietet sicher für jede interessierte Zahnärztin und jeden interessierten Zahnarzt etwas. Ein begleitendes Programm zu den Themen Hygiene und QM macht die Jahrestagung zugleich auch zum Fortbildungsereignis für das gesamte Praxisteam.

Die Frage, wie die perfekte rot-weiße Ästhetik erreicht werden kann und welche alternativen Wege und Problemlösungsmöglichkeiten es gibt, wird u.a. im erstmals im Rahmen der DGKZ-Jahrestagung veranstalteten Expertentalk diskutiert. In diesem neuen Programmformat halten die beteiligten Experten jeweils kurze Einführungsvorträge, denen sich eine Diskussion vor allem auch der alternativen Optionen mit den jeweils anderen Experten sowie den Teilnehmern anschließt. Der Expertentalk wird direkt auch ins Internet übertragen.

Hinweis: Die Veranstaltung wird entsprechend der geltenden Hygienerichtlinien durchgeführt!

Programmheft
Online-Anmeldung

Weitere Informationen:
OEMUS MEDIA AG
Holbeinstraße 29
04229 Leipzig
Tel.: +49 341 48474-308
E-Mail: event@oemus-media.de

Teaserbild: © Sashkin/Shutterstock.com

Web-Tutorial „Veneers von konventionell bis no prep“ ab sofort online!

Die Deutsche Gesellschaft für Kosmetische Zahnmedizin e.V. (DGKZ) startete im März erfolgreich ihre neue Live-Tutorial-Reihe als digitale Fortbildungs-möglichkeit in Zeiten von COVID-19. Ab sofort ist das zweite Tutorial zum Thema Veneers mit Dr. Jürgen Wahlmann kostenfrei online abrufbar.

Veneers sind heute aus der zahnärztlichen Praxis nicht mehr wegzudenken, da sie sowohl eine hervorragende minimalinvasive Lösung komplexer zahnmedizinischer Probleme als auch eine hochästhetische Versorgungsform darstellen.

Im Sinne der maximalen Schonung der gesunden Zahnsubstanz auf der einen Seite und möglichst langlebiger Restaurationen auf der anderen Seite ist es jedoch wichtig, die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Ausführungen genau zu kennen und abzuwägen. Dr. Jürgen Wahlmann zeigt im Web-Tutorial nicht nur die entscheidenden Unterschiede zwischen konventionell präparierten Veneers und No Prep Veneers auf, sondern geht auch auf die verschiedenen zahntechnischen Lösungen wie zum Beispiel geschichtete Veneers auf Platinfolie oder feuerfeste Stümpfe ein. Abschließend wird die Möglichkeit der präprothetischen KFO-Vorbehandlung gezeigt, um möglichst viele Patienten unter maximaler Substanzschonung versorgen zu können.

Klicken Sie auf das Bild, um das Tutorial anzusehen.

Die DGKZ bietet ihren Mitgliedern in 2021 gleich vier Live-Tutorials als digitale Fortbildungsmöglichkeit in Zeiten von COVID-19. Hier werden inhaltlich grundlegende Überlegungen zu Konzepten und strategischen Vorgehensweisen verschiedener Spezialthemen aus dem Bereich der ästhetisch/kosmetischen Zahnmedizin aufgegriffen. Besonderer Höhepunkt und integraler Bestandteil der Reihe ist ein Expertentalk im Rahmen der 17. Jahrestagung der DGKZ am 29./30. Oktober 2021 in Marburg, der auch ins Internet übertragen wird.

Weitere Termine der Live-Tutorial-Reihe:

08. September 2021, 15.00 Uhr
Thema: „Lösungskonzepte bei Schwarzen Dreiecken mit Lasertechnik, Hyaluronsäure und minimalinvasiven Composite-Techniken – wichtige Tools für den Praktiker“
Referent: Prof. Invitado Uni Sevilla Dr. Martin Jörgens/Düsseldorf

10. November 2021, 15.00 Uhr
Thema: „Komposits in der ästhetischen Zahnmedizin“
Referent: Prof. Dr. Christian Gernhardt/Halle-Saale

Bereits verfügbare Tutorials:

Klicken Sie auf das Bild, um das Tutorial anzusehen.

Hinweis: Das Angebot ist für alle User kostenlos. Um das Web-Tutorial zu verfolgen, ist keine Anmeldung notwendig. Allerdings erhalten nur registrierte User der ZWP online CME-Community Zugang zu den CME-Fragen und somit die Chance, einen CME-Punkt zu erwerben.

Jetzt registrieren!

Foto Teaserbild: Pixel-Shot – stock.adobe.com

Bitterer Nachgeschmack: Viele Zahncremes laut ÖKO-TEST mangelhaft

Die gute alte Zahnpasta hilft dabei, Zähne zu reinigen und sie vor Karies zu schützen. Allerdings kommt es nicht nur auf die richtige Technik beim schaumigen Herumstochern im Mund oder die Motivation des Putzenden an, sondern auch auf die Inhaltsstoffe der verwendeten Creme. In diesem Sinne nahm ÖKO-TEST kürzlich 60 Universalzahnpasten mit Blick auf deren inhaltliche Zusammensetzung unter die Lupe – mit ernüchterndem Ergebnis.

ÖKO-TEST lobte zunächst Fluorid als besonders Karies vorbeugenden Inhaltsstoff. Dieser unterstützt die Remineralisierung von Zähnen, nachdem diese von säurebildenden Bakterien angegriffen wurden, welche Mineralien aus dem Zahnschmelz lösen. Im Test enthielten alle der untersuchten Pasten Fluorid. Als unerwünscht identifizierte ÖKO-TEST dagegen Schleimhaut reizende und umweltschädliche Stoffe. Erschreckenderweise fanden sich gerade solche in vielen der getesteten Zahnpasten. Ganze 13 der 60 getesteten Zahncremes fielen als „mangelhaft“ oder „ungenügend“ durch. In diesen fand sich beispielsweise Natriumlaurylsulfat – ein aggressiv schäumendes, waschaktives Tensid, das die Mundschleimhaut reizt. Auch kritisiert ÖKO-TEST bei einigen dieser Pasten das Vorhandensein von PEG-Verbindungen, welche die Haut durchlässig für Fremdstoffe machen können. In vier der durchgefallenen Universalzahncremes fanden sich zudem synthetische Polymere. Solche flüssigen Plastikstoffe gelten als problematisch, da sie über das Abwasser in die Umwelt gelangen.

Setzen, sechs!

Im Test schnitten folgende Zahnpasten aufgrund der erwähnten Durchfallkriterien als „mangelhaft“ ab: Dentagard Original mit Naturkräuterextrakten, Odol-Med 3 Original, Odol-Med 3 Senses Eukalyptus, Limette & Minze, Signal Zahnpasta Kariesschutz, Colgate Komplett 8 Extra Frisch und Colgate Max Fresh Cooling Crystals. Darüber hinaus rät ÖKO-TEST vom Kauf folgender Universalzahncremes, die das Prädikat „ungenügend“ erhielten, gänzlich ab: Aronal Zahnfleischschutz mit Zink, Blend-A-Med Classic Zahncreme, Blend-A-Med Complete Protect Expert Tiefenreinigung, Blend-A-Med Rundumschutz Extra Frisch Clean, Colgate Total Plus Gesunde Frische, Lacalut Aktiv Medizinische Zahncreme sowie Odol-Med 3 Extreme Clean Langzeit-Frische. Erfreulich: 38 der getesteten Zahncremes schnitten indes mit der Bestnote ab.

Im Rahmen des Tests machte ÖKO-TEST auch auf zwei weitere, in Zahncremes oft enthaltene Substanzen aufmerksam: Titandioxid und Aluminium. Ersteres steht im Verdacht, krebserregend zu sein, wenn es als Staub eingeatmet wird. Titandioxid wird vielen Zahnpasten als weißer Farbstoff zugesetzt. ÖKO-TEST sieht in diesem Zusammenhang jedoch keine Gefahr, da der Anteil an Titandioxid-Nanopartikeln in Zahncremes laut Stichproben-Untersuchungen sehr gering sei und ohnehin nicht über die Atemwege eingeatmet würde. Beim Aluminium sieht es hingegen anders aus: Der Stoff, der Zahncremes oft wegen seines schmutzabreibenden Effekts zugesetzt wird, kann auf Dauer das Gehirn schädigen. So warnte 2019 beispielsweise das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) vor sogenannten „Whitening“-Zahncremes, in denen viel Aluminium – für einen besonders großen Schmirgel-Effekt – enthalten ist. In sechs der von ÖKO-TEST untersuchten Zahncremes fanden sich Aluminiumverbindungen. Abschließend wird auch vor Zink gewarnt: Der Stoff, der Zahncremes oft aufgrund seines antibakteriellen Effekts zugesetzt wird, kann, wenn er über einen längeren Zeitraum dem Körper zugeführt wird, das Immunsystem schwächen. Insbesondere Kinder und Jugendliche sollten daher auf zinkhaltige Pasten verzichten, da sie die empfohlene Zufuhr relativ schnell überschreiten.

Die ausführliche Auflistung und Bewertung der getesteten Zahnpasten sowie die Testsieger sind hier zu finden.

Quelle: ZWP online

Foto Teaserbild: Azazello – stock.adobe.com

Abschaffung PKV: Zahnärzte & kleine Praxen wären besonders betroffen

Das Wissenschaftliche Institut der Privaten Krankenversicherung (WIP) beschäftigte sich in einer Studie mit der Abschaffung der PKV. Hochrechnungen belaufen sich auf jährliche Verluste von bis zu 13 Milliarden Euro.

Ohne Privatversicherte verliert das deutsche Gesundheitssystem jährlich fast 13 Milliarden Euro – das ergibt die Hochrechnung einer aktuellen Studie des WIP. Zugrunde liegen dieser die Gesundheitszahlen aus 2019 – demnach ging eine Summe von 37,52 Milliarden Euro durch Privatpatienten in das Gesamt-Gesundheitssystem ein. Wären diese Patienten nicht privat versichert, sondern gesetzlich, würde rund ein Drittel dieser Kosten entfallen – die WIP-Studie beziffert diese Summe konkret mit 12,73 Milliarden Euro.

Privatpatienten für das Gesundheitssystem wichtig

Das WIP verweist in seinen Ausführungen auf das Zusammenspiel von GKV und PKV im deutschen Versorgungssystem. So seien die Behandlungskosten im Privatbereich höher anzusetzen und ohne Budgetgrenzen erstattbar, was wiederum unabdingbar ist für beide Patientengruppen. Die Mehrzahlungen machen Investitionen möglich,  beispielsweise in Personal oder Ausstattung – dies wiederum komme allen Patienten zugute. Die Studie verweist außerdem auf den Umstand, dass insbesondere niedergelassene Ärzte einen hohen Nutzen von Privatversicherten haben; ohne diese Patientengruppe würde gemäß Hochrechnung jede ambulante Praxis jährlich durchschnittlich 55.000 Euro verlieren. 

Mehreinnahmen durch Privatversicherte in der Zahnmedizin

Das Wissenschaftliche Institut der Privaten Krankenversicherung betrachtete in seiner Studie auch die unterschiedlichen Gesundheitssektoren. So betrage der Mehrumsatz durch Privatversicherte in der Zahnmedizin in 2019 2,98 Milliarden Euro, die – im Falle einer Abschaffung der PKV – entfallen würden. Weitere Zahlen im Detail: Die Mehreinnahmen betragen 6,46 Milliarden Euro in der ambulanten ärztlichen Versorgung, 0,38 Milliarden Euro in der stationären Versorgung, 1,07 Milliarden Euro Mehreinnahmen belaufen sich auf den Sektor Heilmittel und 1,87 Milliarden Euro auf sonstige Bereiche (12,73 Milliarden Euro insgesamt).

Privatversicherte auch für ländliche Regionen unverzichtbar

Das WIP ging in den Berechnungen noch einen Schritt weiter und analysierte die Zahlen nicht nur nach Sektoren, sondern auch nach Bundesländern – entstanden sind Regionalatlanten. Darin wird deutlich, dass der Fortbestand von Arztpraxen auf dem Land und in strukturschwachen Regionen überdurchschnittlich stark von den Umsätzen der Privatversicherten abhänge – gesundheitssektorübergreifend. Damit widerlegt das WIP die oftmals gesundheitspolitisch geführten Debatten, bei denen Versorgungsengpässe mit der wirtschaftlichen Unattraktivität ländlicher Regionen für die ärztliche Niederlassung argumentiert werden. Die Regionalatlanten liegen derzeit für die Bundesländer Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Saarland und Rheinland-Pfalz vor, weitere Atlanten werden erstellt. Alle Daten der Studie sowie die Regionalatlanten sind hier einsehbar.

Quelle: ZWP online

Foto Teaserbild: Andrey Popov – stock.adobe.com

Deutsche geben mehr Geld für Fast Food als für Zahngesundheit aus

Eine globale britische Umfrage zeigt: In Deutschland geben Verbraucher im Laufe ihres Lebens fast doppelt so viel Geld für Fast Food aus wie für ihre Zahnarztbesuche.

Mit den globalen Ausgaben für Gesundheitsdienstleistungen beschäftigte sich eine neue Umfrage des Online-Kontaktlinsenanbieters Lenstore. Demnach gibt Irland mit 16.747 Pfund pro Kopf am meisten für das Gesundheitswesen aus, gefolgt von Island mit 10.076 Pfund und Norwegen an dritter Stelle mit 9.867 Pfund pro Person.

Neben den Ausgaben für das Gesundheitssystem wurden auch die Konsumgewohnheiten je Land analysiert. Konkret wurde erhoben, was die Menschen im Laufe ihres Lebens für Luxusartikel im Vergleich zu ihrer Gesundheitsversorgung ausgeben.

Trauriges Ergebnis für Deutschland: Verbraucher geben im Laufe ihres Lebens fast doppelt so viel Geld für Fast Food aus wie für Zahnarztbesuche. Auch andere Länder glänzen nicht in puncto Gesundheitsversorgung. So geben Verbraucher in Großbritannien fast das Dreifache für Gaming (PlayStation) aus wie für Leistungen im Bereich der Augenheilkunde und die Franzosen investieren doppelt so viel in Alkohol wie in ihren Zahnarztbesuch. Blicken wir zuletzt auf Australien: Hier werden für das Netflix-Abo 32 Prozent mehr ausgegeben als für medizinische Leistungen im Bereich Auge.

Quelle: ZWP online

Foto Teaserbild: Тарас Нагирняк – stock.adobe.com

Erstmals alle Zellen menschlicher Zähne detailliert entschlüsselt

Forschende der Universität Zürich haben erstmals einen kompletten Atlas sämtlicher Zellen erstellt, die in menschlichen Zähnen vorkommen. Sie fanden heraus, dass sich Zahnmark und Zahnhalteapparat zellulär stark unterscheiden. Der Einzelzell-Atlas eröffnet neue Wege für zellbasierte zahnmedizinische Therapieansätze.

In den letzten 30 Jahren zog die medizinische und zahnmedizinische Forschung zahlreiche Wis-senschaftler und Praktiker an, die mit genetischen und geweberegenerativen Ansätzen arbeiten. Die neuen Entwicklungen im Bereich der Stammzellen und der Gewebezüchtung brachten neue Einblicke und Ideen hervor, wie die klinische Praxis verbessert werden kann. Folgenden Themen beschäftigen die Forschungsgruppen: Wie lässt sich der Heilungsprozess verletzter Gewebe und Organe effektiv unterstützen? Kann verlorenes Gewebe regeneriert werden? Wie erstellt man solide Protokolle, die für alle Stammzelltherapien gelten?

Zellen des menschlichen Zahns auf Stufe Einzelzelle sequenziert

Ein Forschungsteam unter der Leitung von Thimios Mitsiadis, Professor am Institut für Orale Bio-logie der Universität Zürich, und Andreas Moor, Professor am Departement für Biosysteme und Ingenieurwissenschaften der ETH Zürich, hat nun den ersten Einzelzell-Atlas der menschlichen Zähne erstellt. Dank der Kombination von fortschrittlicher Sequenzierungstechnologie und mo-derner Zahnmedizin konnten die Forschenden jede einzelne Zelle unterscheiden, die Teil der Zahnpulpa und des Zahnhalteapparates ist. «Unsere Studie zeigt die genaue Zusammensetzung dieser beiden Gewebe. Beide sind anfällig für Karies und Parodontitis und enthalten gleichzeitig Stammzellen, die ein grosses regeneratives Potenzial besitzen», erklärt Pierfrancesco Pagella, einer der beiden Erstautoren und leitender Forscher in Team Mitsiadis.

Die Studie zeigte, dass die Zelltypen im Zahnmark und im Halteapparat sehr heterogen sind. Überraschenderweise sind die molekularen Signaturen der Stammzellpopulationen jedoch sehr ähnlich. «Wir vermuten, dass das unterschiedliche Verhalten einzelner Zelltypen durch ihre jewei-lige Umgebung hervorgerufen wird», sagt Pagella. Die spezifische Zusammensetzung des zellulä-ren Mikromilieus ist daher wohl verantwortlich für die grossen funktionalen Unterschiede der Stammzellen in den verschiedenen Zahnkompartimenten.

Neue zellbasierte zahnmedizinische Therapien möglich

Der neue Atlas stellt einen wichtigen Beitrag zum besseren Verständnis der komplexen, zellulären und molekularen Zusammensetzung des menschlichen Zahngewebes dar. Er hilft, die Interaktio-nen von Zahnpulpa- und Parodontalzellen besser zu verstehen, die an der Immunantwort auf bakterielle Angriffe beteiligt sind. «Die Einzelzell-Analyse könnte nicht nur für diagnostische Zwe-cke nützlich sein und die Früherkennung von Zahnerkrankungen unterstützen, sondern auch zur zellbasierten Regeneration von beschädigten Teilen der Zähne beitragen», erklärt Letztautor Thimios Mitsiadis.

Originalpublikation:

Literatur:
Pierfrancesco Pagella, Laura de Vargas Roditi, Bernd Stadlinger, Andreas E. Moor, Thimios A. Mitsiadis. A single cell atlas of human teeth. ISCIENCE, 09. April 2021. Doi: 10.1016/j.isci.2021.102405

Quelle: Universität Zürich

Foto Teaserbild: Gorodenkoff – stock.adobe.com

Umfrage: Darauf achten die Deutschen bei der Arztsuche

Hey Google, suche einen HNO-Arzt mit mehr als 4 Sternen in der Nähe: Neun von zehn Deutschen (91,7 Prozent) legen Wert darauf, dass sich der neue (Fach-)Arzt in der Nähe des eigenen Wohnorts befindet. Weitere 83 Prozent setzen auf analoge Empfehlungen. Für sie bleibt die persönliche Weiterempfehlung durch Freunde, Bekannte und Familie die Nummer 1 bei der Suche nach einem neuen Mediziner. Das geht aus der aktuellen repräsentativen Umfrage „Datapuls 2021“ des Praxis-WLAN- und Kommunikationsdienstleisters Socialwave hervor, der in Zusammenarbeit mit dem Hamburger Marktforschungsinstitut Consumerfieldwork 1.005 Menschen über 18 Jahre zur Digitalisierung des Gesundheitswesens befragt hat. „Mit der Digitalisierung des Gesundheitswesens nimmt die Bedeutung von Online-Suchdiensten, Webseiten und Google-Bewertungen bei der Entscheidung für einen neuen Mediziner weiter zu. Ärzte, die das analoge Vertrauen in den virtuellen Raum übertragen wollen, müssen auch online ein Reputationsmanagement betreiben. Ein einziger Online-Kommentar kann in den meisten Fällen darüber entscheiden, ob Patienten, die nicht auf Empfehlung von Bekannten handeln, eine Arztpraxis aufsuchen oder nicht“, erklärt Felix Schönfelder, Geschäftsführer der Socialwave GmbH (www.social-wave.de).

Google und eine seriöse Webseite sind ein Muss

Die Bedeutung der Internetkonzerne im Gesundheitswesen nimmt stetig zu: Mediziner-Webseiten müssen laut Socialwave entsprechend gepflegt und auffindbar sein. 73,8 Prozent der Deutschen achten auf eine vertrauenswürdige und informative Webseite bei der Arztsuche. Mehr als die Hälfte (53,1 Prozent) legt außerdem Wert auf einen seriösen Google-Eintrag mit mindestens 4 von 5 Sternen. Die Rolle des Internetgiganten geht aber darüber hinaus. Weitere 46,3 Prozent messen positiven Bewertungen anderer Nutzer und Patienten eine hohe Bedeutung bei. „Vier von zehn Deutschen ist es generell wichtig, dass die Praxis in der Google-Suche ein gutes Ranking aufweist. Viele machen sich nicht die Mühe, sich durch die vielen Seiten einer Internetrecherche zu wühlen. Wer unabhängig von seiner Ärzteleistung wettbewerbsfähig bleiben will, muss mehr denn je dafür sorgen, dass seine Webseite durch gutes SEO weit oben in der Google-Suche erscheint“, kommentiert Schönfelder die wachsenden Anforderungen an Arztpraxen im digitalen Zeitalter.

Alternative Online-Suche dicht hinter Google und Co.

Dicht auf Google folgen bei der Auswahl die Arztsuchdienste der Ärztekammern und kassenärztlichen Vereinigungen. Diese spielen für 45,3 Prozent der Deutschen eine wichtige Rolle bei der Suche nach einer neuen Arztpraxis. Aber ebenso Bewertungsportale wie Jameda werden konsultiert. Vier von zehn Patienten (41,8 Prozent) ziehen die Bewertungen auf dem Onlineportal für eine Entscheidung heran. Ein weiteres Drittel (34,5 Prozent) bevorzugt die Recherche in der unabhängigen „Weissen Liste“ im Internet.

Datapuls 2021 – Patientenbefragung zur Digitalisierung des Gesundheitswesens

Datapuls 2021 ist eine bundesweite, repräsentative Studie zur Digitalisierung des Gesundheitswesens. Die Studie versteht sich als langfristiges Barometer für die Patientenperspektive. Ihr Erkenntnisinteresse liegt bei der Erforschung der Bedürfnisse und Bedenken der Versicherungsnehmer mit Blick auf die großen Telemedizin-Projekte in Deutschland wie die elektronische Patientenakte (ePA), das E-Rezept oder die digitale Sprechstunde sowie andere gesundheitsbezogene Alltagsanwendungen. Herausgeber der quantitativen Erhebung ist die Socialwave GmbH, Lösungsanbieter für Praxis-WLAN und digitale Arzt-Patienten-Kommunikation. Durchgeführt hat die Befragung das Hamburger Marktforschungsinstitut Consumerfieldwork im Zeitraum zwischen dem 3. und 9. Dezember 2020. Weitere Informationen zur Studie finden Sie unter: https://datapuls.social-wave.de/

Demografie

Insgesamt haben 1.005 Bürger im Alter von 19 bis 85 Jahre an der Befragung teilgenommen. 49,6 Prozent (498) der Probanden sind weiblich, 50,4 Prozent (507) männlich. Die Befragten sind im Durchschnitt 50,6 Jahre alt (SD=16.45), das Alter ist normalverteilt. Dabei sind 15,3 Prozent 18 bis 30 Jahre, 15,8 Prozent 31 bis 40 Jahre, 16,7 Prozent 41 bis 50 Jahre, 20,7 Prozent 51 bis 60 Jahre, 16,1 Prozent 61 bis 70 Jahre und 15,3 Prozent älter als 70 Jahre alt. 27,5 Prozent (276) leben in einem 1 Personen-Haushalt (PHH), 46,2 Prozent (464) in einem 2-PHH, 14,4 Prozent (145) in einem 3-PHH, neun Prozent (90) in einem 4-PHH, 2,4 Prozent (24) in einem 5-PHH, 0,5 Prozent (5) in einem 6-PHH und 0,1 Prozent (1) in einem 8-PHH. 50,4 Prozent (507) sind verheiratet, 49,6 Prozent (498) ledig. Mit Blick auf den höchsten Bildungsabschluss verfügen vier Prozent (40) über einen Hauptschulabschluss, 14,3 Prozent (144) über die mittlere Reife, 9,2 Prozent über die Hochschulreife, 3,8 Prozent (38) über die Fachhochschulreife, 35,1 Prozent (353) über eine abgeschlossene Berufsausbildung, 6,3 Prozent (63) über einen Fachhochschulabschluss und 25,3 Prozent (254) über einen Hochschulabschluss (Bachelor, Master, Diplom, Magister). Zwei Prozent (20) haben promoviert und ausschließlich ein Teilnehmer hat keinen Abschluss. 6,3 Prozent (63) sind beruflich selbstständig, 39,3 Prozent (395) sind in Vollzeit und 14,2 Prozent (143) in Teilzeit angestellt, 1,8 Prozent (18) sind temporär (Elternzeit oder temporärer Beurlaubung) und 38,4 Prozent (386) langfristig nicht oder nicht mehr erwerbstätig. Das Netto-Haushaltseinkommen der Studienteilnehmer verteilt sich wie folgt: 11,2 Prozent (113) verdienen weniger als 1.000 Euro, 25,8 Prozent (259) zwischen 1.000 und 2.000 Euro, 25,6 Prozent (257) zwischen 2.000 und 3.000 Euro, 19,8 Prozent (199) zwischen 3.000 und 4.000 Euro, 9,9 Prozent (99) zwischen 4.000 und 5.000 Euro und 7,8 Prozent mehr als 5.000 Euro. Die Prozentangaben sind gerundet auf eine Nachkommastelle.

Quelle: Socialwave

Foto Teaserbild: everythingpossible – stock.adobe.com

Zähne von Geburt an mit Fluorid schützen – Neue Empfehlungen

Lange schon forderten Fachkräfte einheitliche Handlungsempfehlungen zur Kariesprävention im Säuglings- und frühen Kindesalter. Kürzlich wurden die neuen Empfehlungen in einer digitalen Veranstaltung vorgestellt und in der Monatsschrift Kinderheilkunde veröffentlicht. Vertreterinnen und Vertreter der relevanten Fachgesellschaften und -organisationen haben die Empfehlungen gemeinsam entwickelt. Diesen Prozess hat das Netzwerk Gesund ins Leben koordiniert. Das Netzwerk ist im zur Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) gehörenden Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) angesiedelt und eine Einrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Netzwerk-Leiterin Maria Flothkötter freut sich über das gemeinsame Ergebnis: „Das gibt Fachkräften und Eltern Sicherheit.“ Wo lange verschiedene Empfehlungen von Kinder- und Jugendärztinnen sowie Zahnärztinnen nebeneinanderstanden, gelten nun gemeinsame für Kinder im Alter von null bis sechs Jahren.

„Das ist ein Meilenstein für die frühkindliche Gesundheitsprävention und hilft allen sehr dabei, die Maßnahmen zur Kariesprävention im individuellen Alltag von Familien mit Babys und kleineren Kindern besser zu verankern. Kinder- und Jugendärztinnen, Zahnärztinnen, die Fachkräfte der Gruppenprophylaxe, Hebammen und alle, die junge Familien beraten, sprechen gleiche Empfehlungen aus und ihre Beratungen ergänzen sich“, so Flothkötter weiter. BLE-Präsident Dr. Hanns-Christoph Eiden fügt hinzu: „Ich bin stolz, dass es unserem Netzwerk Gesund ins Leben gelungen ist, alle Akteure an einen Tisch zu bringen und eine gemeinsame Empfehlung auszusprechen, mit der die verschiedenen Fachkräfte Hand in Hand arbeiten und nun auch mit einer Stimme sprechen.“

Vorteile von kariesfreien Milchzähnen

Die Karieshäufigkeit im Milchgebiss ist seit Mitte der 1990er Jahre bisher nur um etwa 35 Prozent zurückgegangen. Fast die Hälfte der Sechs- bis Siebenjährigen ist von Karies betroffen – besonders häufig Kinder aus sozioökonomisch benachteiligten Familien. „Kariöse Milchzähne können Schmerzen verursachen, beim Essen Schwierigkeiten machen und so die körperliche Entwicklung des Kindes verlangsamen. Insbesondere die Behandlung kleinerer Kinder kann mit Belastungen für die Familie verbunden sein“, erläutert Zahnarzt Prof. Dr. Ulrich Schiffner, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Kinderzahnheilkunde (DGKiZ) und Mitautor der neuen Empfehlungen. Und: Bleiben die Milchzähne kariesfrei, ist auch das Kariesrisiko bei den bleibenden Zähnen geringer. Sein Kollege aus dem Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), Dr. Burkhard Lawrenz, Kinder- und Jugendarzt, ergänzt: „Wenn Präventionsmaßnahmen schon im frühen Kleinkindalter zur Gewohnheit werden und im Alltag verankert sind, bleiben sie im späteren Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter als Routinen etabliert.“

Fluorid spielt eine Schlüsselrolle

Neben der Begrenzung des Verzehrs von Süßigkeiten und süßen Getränken und der regelmäßigen Zahnreinigung spielt die Fluoridanwendung eine wichtige Rolle in der Kariesprävention. Bereits ab der Geburt wird Fluorid empfohlen: zunächst als tägliche Tablette in Kombination mit Vitamin D, bei Bedarf aufgelöst in ein paar Tröpfchen Wasser. Ab Durchbruch des ersten Zahnes bis zum Ende des ersten Lebensjahres wird das Kind behutsam an das Zähneputzen herangeführt. Eltern haben für die Fluoridanwendung zwei Wahlmöglichkeiten, die sie individuell mit dem*der Kinder- und Jugendärzt*in bei einer Vorsorgeuntersuchung besprechen, etwa der U5 (mit ca. sechs Monaten) – und mit dem*der Zahnärzt*in bei der ersten zahnärztlichen Früherkennungsuntersuchung (ZFU, ab dem sechsten Lebensmonat möglich): Entweder geben sie weiter die Tablette mit Fluorid und Vitamin D und beginnen das erste Zähneputzen ohne Zahnpasta oder mit einer geringen Menge Zahnpasta ohne Fluorid. Alternativ nehmen sie ab dem Zahndurchbruch nur Vitamin D als Tablette und putzen die Zähne mit einer bis zu reiskorngroßen Menge Zahnpasta mit 1.000 ppm Fluorid (parts per million, ppm) bis zu zweimal täglich.

Je nach Alter genau dosiert: Reiskorn oder Erbse

Ab dem ersten Geburtstag gilt dann: Zweimal täglich putzen mit einer reiskorngroßen Menge Zahnpasta mit Fluorid. Es ist wichtig, dass die Eltern die Zahnpasta genau dosieren. Lawrenz: „Die empfohlene Zahnpastamenge darf nicht überschritten werden, um eine zu hohe Fluoridaufnahme zu vermeiden. Denn Säuglinge und Kleinkinder können Zahnpasta noch nicht ausspucken.“ Zahnpasten aus Tuben mit kleinerer Öffnung und solche mit neutraler Farbe und neutralem Geschmack sind zu bevorzugen. Sie sollten für alle Kinder zwischen null und sechs Jahren 1.000 ppm Fluorid enthalten. Zahnmediziner Schiffner: „Einen Wunsch an die Tuben-Hersteller hätten wir noch: genauere Dosierungsmöglichkeiten!“ Nach dem zweiten Geburtstag werden die Zähne zweimal täglich zu Hause mit einer erbsengroßen Menge Zahnpasta geputzt. Das Kind lernt das Putzen, die Eltern putzen die Kinderzähne sauber. Hinzu kann ergänzend ein drittes Zähneputzen in Kindergarten und Kitas kommen.

Eltern-Beratungen sind elementar

Elementarer Bestandteil der Gesundheitsprävention sei die Beratung und Aufklärung bei den kinder- und jugendärztlichen Vorsorgeuntersuchungen und die praktische Schulung der Eltern bei den zahnärztlichen Früherkennungsuntersuchungen, so Flothkötter. Darüber hinaus hätten Familien Anspruch auf zahnärztliche Früherkennungsuntersuchungen ab dem sechsten Lebensmonat ihres Kindes.

Behutsames Zähneputzen ohne Widerstand

Lawrenz: „Um Zahnpflege zur Gewohnheit zu machen, ist es wichtig, das Kind behutsam und spielerisch an die Zahnbürste und das Zähneputzen heranzuführen und zu gewöhnen. Dabei soll das natürliche Bedürfnis des Säuglings genutzt werden, Gegenstände mit dem Mund zu erkunden. Keinesfalls darf gegen den Widerstand des Kindes geputzt werden!“ Ein Lied, ein lustiger Reim oder eine Geschichte könnten dabei helfen.

Weitere Informationen

Die einheitlichen Handlungsempfehlungen zur Kariesprävention im Säuglings- und frühen Kindesalter gibt es kostenlos zum Bestellen oder Herunterladen unter: www.ble-medienservice.de (Bestell-Nr. 0250). 

Quelle: Netzwerk Gesund ins Leben

Foto Teaserbild: alfa27 – stock.adobe.com

Coronavirus in bakteriellem Zahnbelag identifiziert

Brasilianische Wissenschaftler untersuchten in einer Studie das Vorhandensein des Virus SARS-CoV-2 in dentalem Biofilm von symptomatischen COVID-19-Patienten.

Eine in Brasilien durchgeführte Studie bestätigte das Vorhandensein des Coronavirus im dentalen Biofilm. Das Ergebnis bringt neue Perspektiven für das Verständnis der verschiedenen Wege, auf denen das Virus in den menschlichen Körper gelangt.

Die klinische Beobachtungsstudie bezog sich auf Personen mit grippeähnlichen Symptomen und wurde zwischen Juli und September 2020 durchgeführt. Ziel war es, das Vorhandensein von SARS-CoV-2-RNA im dentalen Biofilm von symptomatischen Patienten zu untersuchen, die in nasopharyngealen und oropharyngealen (NASO/ORO) Proben positiv getestet wurden. SARS-CoV-2-RNA wurde dazu von verschiedenen Stellen im Körper, einschließlich des Mundes, gewonnen.

Konkret wurden bei der Untersuchung Proben von 70 Personen analysiert, die positiv auf COVID-19 getestet wurden. In 19 % dieser Fälle wurde das Coronavirus auch im dentalen Biofilm nachgewiesen, und zwar genau bei den Teilnehmern, die in den oro- und nasopharyngealen Proben die höchste Viruslast aufwiesen. Als Quintessenz ergibt sich daraus die Schlussfolgerung, dass dentale Biofilme von symptomatischen COVID-19-Patienten SARS-CoV-2-RNA beherbergen und eine wesentliche Rolle bei der COVID-19-Übertragung spielen könnten.

Der Artikel „Dental biofilm of symptomatic COVID-19 patients harbors SARS-CoV-2“ wird im Journal of Clinical Periodontology veröffentlicht und ist von Sabrina Carvalho Gomes, Sabrina Fachin, Juliane Gonçalves da Fonseca, Patrícia Daniela Melchiors Angst, Marcelo Lazzaron Lamers, Ilma Simoni Brum da Silva und Luciana Neves Nunes verfasst.

Quelle: ZWP online

Foto Teaserbild: rowley – stock.adobe.com

Forschung zur Virusübertragung: SARS-CoV-2 infiziert orale Zellen

Wissenschaftler haben Beweise gefunden, dass SARS-CoV-2 orale Zellen infiziert. Die Ergebnisse erklären erstmals orale Symptome bei COVID-19-Patienten und helfen, neue Strategien zur Reduzierung der Virusübertragung zu entwickeln. Ein internationales Team von Wissenschaftlern hat Hinweise darauf gefunden, dass SARS-CoV-Zellen den Mundraum infizieren. Während bekannt ist, dass die oberen Atemwege und die Lunge die primären Orte der SARS-CoV-2-Infektion sind, gibt es Hinweise darauf, dass das Virus auch Zellen in anderen Teilen des Körpers infizieren kann, z. B. im Verdauungssystem, in den Blutgefäßen, in den Nieren und, wie diese neue Studie zeigt, im Mund. Die Möglichkeit, dass das Virus mehrere Bereiche des Körpers infizieren kann, könnte helfen, die vielfältigen Symptome zu erklären, die bei COVID-19-Patienten auftreten, einschließlich oraler Symptome wie Geschmacksverlust, Mundtrockenheit und Blasenbildung. Darüber hinaus deuten die Ergebnisse auf die Möglichkeit hin, dass der Mund eine Rolle bei der Übertragung von SARS-CoV-2 auf die Lunge oder das Verdauungssystem spielt.

Die Forschungsgruppe bestand aus Wissenschaftlern der amerikanischen Gesundheitsbehörde National Institutes of Health (NIH) und der University of North Carolina, Forschungsleiter war Blake M. Warner. Die Ergebnisse wurden Ende März im Fachjournal Nature Medicine publiziert.

Rolle der Mundhöhle bei SARS-CoV-2-Infektionen

Forscher wissen bereits, dass der Speichel von Menschen mit COVID-19 hohe Mengen an SARS-CoV-2 enthalten kann, und Studien deuten darauf hin, dass Speicheltests fast so zuverlässig sind wie tiefe Nasenabstriche. Was die Wissenschaftler jedoch nicht ganz wissen, ist, woher das SARS-CoV-2 im Speichel kommt. Bei Menschen mit COVID-19, die Atemwegssymptome haben, stammt das Virus im Speichel möglicherweise zum Teil aus dem Nasenausfluss oder dem aus der Lunge hochgehusteten Material. Dies erklärt aber nicht, wie das Virus in den Speichel von Menschen gelangt, die keine Atemwegssymptome haben.

Die Forschenden analysierten zunächst das Mundgewebe von gesunden Menschen, um Mundregionen zu identifizieren, die für eine SARS-CoV-2-Infektion anfällig sind. Anfällige Zellen enthalten RNA-Anweisungen für die Herstellung von Eintrittsproteinen, die das Virus benötigt, um in die Zellen einzudringen. Die wichtigsten Eintrittsproteine für SARS-CoV-2 sind der ACE2-Rezeptor und das TMPRSS2-Enzym.

Beide Proteine wurden in Zellen entdeckt, die die Mundhöhle auskleiden sowie in Zellen der Speicheldrüsen als auch in Zahnfleischzellen. In manchen Zellen wurden sogar beide Proteine dargestellt, was auf eine erhöhte Anfälligkeit hindeutet.

Replikation von SARS-CoV-2 im Mund vermutlich möglich

Nachdem die Forscher bestätigt hatten, dass Teile des Mundes anfällig für SARS-CoV-2 sind, suchten sie nach Anzeichen für eine Infektion in oralen Gewebeproben von Menschen mit COVID-19. „In Proben, die am NIH von verstorbenen COVID-19-Patienten gesammelt wurden, war SARS-CoV-2-RNA in etwas mehr als der Hälfte der untersuchten Speicheldrüsen vorhanden“, schreibt das Forschungsteam. Bei einem lebenden Patienten mit COVID-19 wiesen die Forschenden zudem spezifische Sequenzen viraler RNA nach, die darauf hindeuteten, dass die Zellen aktiv neue Kopien des Virus herstellten.

Speichel als wahrscheinlicher SARS-CoV-2-Überträger

Um festzustellen, ob das Virus im Speichel infektiös ist, setzten die Forscher den Speichel von acht Personen mit asymptomatischem COVID-19 gesunden Zellen aus, die in einer Schale gewachsen waren. Der Speichel von zwei der Probanden führte zu einer Infektion der gesunden Zellen, was die Möglichkeit aufwirft, dass auch Menschen ohne Symptome infektiöses SARS-CoV-2 über den Speichel auf andere übertragen könnten.

Studie nicht vollständig aussagekräftig – weitere Forschungen erforderlich

Insgesamt kommt das Forschungsteam zu dem Schluss, dass der Mund, über infizierte orale Zellen, eine größere Rolle bei der SARS-CoV-2-Infektion zu spielen scheint als bisher angenommen. „Wenn infizierter Speichel geschluckt wird oder winzige Partikel davon eingeatmet werden, könnte SARS-CoV-2 weiter in den Rachen, in die Lunge oder sogar in den Darm übertragen werden“, resümiert Kevin M. Byrd, der zweite Studienleiter.

„Durch die Aufdeckung einer möglicherweise unterschätzten Rolle der Mundhöhle bei der SARS-CoV-2-Infektion könnte unsere Studie neue Untersuchungswege eröffnen, die zu einem besseren Verständnis des Infektions- und Krankheitsverlaufs führen“, ergänzt Warner.

Weitere Forschungen werden nötig sein, um die Ergebnisse in einer größeren Gruppe von Menschen zu bestätigen und um die genaue Art der Beteiligung des Mundes an der SARS-CoV-2-Infektion und der Übertragung innerhalb und außerhalb des Körpers zu bestimmen.

Quelle: ZWP online

Foto Teaserbild: New Africa – stock.adobe.com